Meike Kolodziejczyk berichtet in der Frankfurter Rundschau über den Protest von GuGge, „Die Gruppe ‘Großmütter und Großväter gegen den Faschismus’ ruft Zeitzeugen der Nazizeit zum Widerstand gegen den NPD-Aufmarsch auf“.
In dem lesenswerten Artikel heißt es:
Das Transparent ist schon gemalt. „Großmütter und Großväter gegen Faschismus“ steht darauf. Wenn am Samstag die Rechtsextremen am Industriehof aufmarschieren und nach einer „Volksgemeinschaft“ brüllen, wollen sie es auf dem Paulsplatz ausrollen und möglichst viele Menschen dazu bringen, sich ihrem Protest anzuschließen. Vor allem ältere Menschen, die damals Kinder waren, Teenager oder junge Erwachsene. Damals, in Nazi-Deutschland.
Es ist die erste Aktion der Gruppe „Großmütter und Großväter gegen Faschismus“, die auf Initiative von Marie-Luise Leberke und Corry Knijff innerhalb der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt entstanden ist. Sie soll besonders Senioren die Möglichkeit zum Engagement geben, ohne sich gleich in Straßenblockaden den Rechten entgegenstellen zu müssen. „Uns geht es darum, Angehörige dieser Generation zu bewegen, ihre Geschichte zu erzählen“, sagt Corry Knijff, „sozusagen als Warnung und Mahnung an ihre Enkel“. Gerade die über 80-Jährigen wüssten schließlich, was damals gewesen sei, besonders, wie alles begonnen habe. Daher sei es wichtig, dass sie sich an der Gegendemonstration beteiligten und forderten: „Wehret den Anfängen.“
Corry Knijff ist 62 Jahre alt, geboren im letzten Kriegsjahr. Im Gegensatz zu ihr hat Marie-Luise Leberke die Nazi-Gräuel als Kind noch miterlebt. Die heute 68-Jährige ist in Nordhausen im Harz aufgewachsen, in unmittelbarer Nähe eines Zweiglagers von Buchenwald. Häftlinge waren dort als Zwangsarbeiter zum Bau von „Hitlers Wunderwaffe“ V2 eingesetzt. „Wir haben in den riesigen Stollen gespielt“, erzählt Leberke. Mit fünf oder sechs Jahren sei ihnen aber noch nicht bewusst gewesen, was da passierte, „dass nebenan Menschen ermordet wurden“. Zum 60. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds besuchte sie die Gedenkstätte und traf dort einen Holländer, der als junger Mann in dem KZ interniert war. „Diese Begegnung war sehr prägend“, sagt Leberke. 1963 hatte sie bereits als Zuschauerin den Auschwitz-Prozess im Frankfurter Römer verfolgt, „dort, wo jetzt der NPD-Stadtverordnete sitzt“.
Für ihren Proteststand am Samstag haben Corry Knijff und Marie-Luise Leberke Texte von Emigrierten und Verfolgten des Nazi-Regimes gesammelt. Briefe, Gedichte und Tagebuchaufzeichnungen, die ausgelegt und vorgelesen werden. Ursprünglich sollte die Aktion um 14 Uhr starten. Doch da die Stadt per Auflagen den NPD-Aufmarsch auf die Zeit von 9 Uhr bis 11 Uhr begrenzt hat, werden die „Großmütter und Großväter gegen Faschismus“ wahrscheinlich schon vormittags auf dem Paulsplatz stehen.

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